Es ist schon ein seltsames Phaenomen: der an sich so zurueckhaltende und freundliche Inder mutiert auf oder in seinem motorisierten fahrbaren Untersatz zu einem Wesen, welches jeglicher Selbstkontrolle und Respekt fuer andere Verkehrsteilnehmer zu verlieren droht. Der Inder scheint einen einen Schalter in seinem Kopf umzulegen, sobald er sich als aktiver Teilnehmer im haotischen Verkehrsgetümmel sieht, welche jegliche, für westliches Verstaendnis als normal zu bezeichnenden Verkehrsregeln ausser Kraft setzt: hier wird alles über und durch die Hupe geregelt. Die ganze Zeit über werden Hupen und Signalhörner der Motorroller, Autos und LKWs betätigt, nur selten im Zorn. Es hört sich eher nach einem Festzug, etwa einer Hochzeitsprozession, an. Wenn man bisher der Meinung war, Anarchie und Verkehr seien Komponenten, die sich gegenseitig ausschliessen: Indien stellt diese Gleichung auf den Kopf; hier funktionierts (oder auch nicht).
Bei allem, was aus Metall ist, geht man offenbar davon aus, dass es tragen kann, was immer man ihm auflädt. Auf vielen Fahrrädern sitzen jeweils 3 Personen: der Fahrer selbst, jemand auf auf der Querstange und ein Dritter, der im Damensitz auf dem Gepäckträger sitzt.
Auf dem Motorrad hat eine fünfköpfige Familie Platz: der Vaterauf dem Haupsitz mit einem Kind zwischen seinen Armen, ein weiteres Kind hinter ihm, das ihn umklammert, die Mutter dahinter im Damensitz auf dem Gepäckträger, mit dem Baby im Arm.
Zwei Auslaender naehern sich dem Abgrund, bleiben am Kreuzungsrand stehen, schreien sich gegenseitig an. Sie entwerfen wohl einen Schlachtplan um ans andere Ufer zu gelangen. Ein Blick auf ihre eckigen, ruckartigen Bewegungen verrät sofort die Landesfremden. Der Kontrast zur Eleganz der Einheimischen ist betraechtlich. Der indische Fussgänger geht einfach rein ins Knäuel und reagiert auf das was gerade anfällt. Die äusserste Mühe, zu der er sich überreden kann, wäre – aber nur im Notfall, wenn tatsächlich eine abgefahrende Ferse droht, ein leichter Hüpfer nach vorn. Mehr nicht.
1 comment:
mehr von deinen Reiseberichten! grossartig! benni vermisst dich.
Post a Comment